tanja & stephan münnich » eure hochzeitsfotografen aus hohenlimburg

„Nur wer sein Leben liebt, kann das Leben mit Liebe fotografieren.“

Workshops. Essentiell in einem Beruf, der bedeutet, tagelang allein vor dem Rechner zu sitzen ohne Kontakt zu Kollegen. Auch deshalb wichtig, weil in kreativen Berufen die eigene Weiterentwicklung notwendig ist – wer immer und immer wieder das Gleiche fotografiert, lockt irgendwann niemanden mehr hinter’m Ofen hervor. Ganz tolle Tage habe ich Workshops zu verdanken und großartige Menschen kennen gelernt. Aber Workshop-Besuche bedeuten auch Organisationsstress (der Alltag mit zwei Selbstständigen und drei Kindern ist ja schon häufig genug Organisation, die einem Logistikunternehmen zur Ehre gereichen würde), Vorbereitungszeit von der eh schon knappen Bürozeit abknapsen, ein paar Tage lang nicht erreichbar sein. Alles in allem – Highlights mit viel Stress drumherum. „A mixed bag“ sozusagen.

Wenn dann noch dazu kommt, dass man raus soll aus der eigenen Komfortzone, dass es in die Tiefe gehen soll, die eigene Arbeit und die eigene Einstellung zur Fotografie auf den Prüfstand kommt – denn genau dafür ist die Masterclass beim Stilpiraten, Steffen Böttcher, bekannt, kann man sich schon mal zwischendurch wünschen, das Ganze einfach sein zu lassen. Und spätestens am Anreisenachmittag auf der A1 ging es mir so. Eineinhalb Stunden Stillstand, nichts ging mehr. Nichts rollte, nichts bewegte sich. Symbolischer hätte mich dieser Tag kaum treffen können – ich habe mich bei Steffen angemeldet, um diesem Stillstand zu entgehen. Um neue Impulse zu bekommen, wenn nötig auch einen kräftigen Tritt in den Hintern, um den nächsten Schritt zu gehen…

Als ich in Buchholz von der Autobahn abfahre, erstreckt sich ein riesiger Regenbogen über die Felder. „Bisschen viel Symbolik“, denke ich mir und fahre weiter. Alleen, endlos, leer – eine halbe Stunde vor Hamburg und doch wie in einer anderen Welt. Mein erster Eindruck: nett, ruhig und gelassen. Mal sehen, ob ich das auch noch bin, wenn es dann morgen ans Eingemachte geht.

Der erste Tag ist rum. In meinem Kopf schwirren Bilder, Zitatfetzen, eigene Ideen, Schnipsel aus „ja, genauso war es da und dort und mit dem auch…“-Momenten durcheinander. Nach diesem einen Tag weiß ich bislang zwei Dinge – ich lag mit meiner fotografischen Selbst-Einschätzung durchaus richtig, ich weiß woran es bei mir hapert, was mich latent unzufrieden macht in diesem Stadium meiner Fotografie. Und ich weiß, dass ich nichts weiß – um den berühmten philosophischen Grundsatz zu bemühen. Einen winzigen Einblick in Möglichkeiten haben wir gestern bekommen, einen Blick durchs Schlüsselloch in eine Welt, die so unendlich viel mehr ist als das was wir gemeinhin unter Fotografie verstehen. Wir haben Bildbände gesehen, die mich begeisterten, berührten und verstörten – alles zugleich. Wir haben über Technik und Licht und Handwerkszeug geredet – und darüber, dass letzten Endes das Bild eben doch mit dem Herzen gemacht wird. Ich habe ausprobiert, neue Dinge zu tun – und auch wenn es sich neu und unbequem anfühlt, zwingt es doch dazu, raus zu kommen aus der Komfortzone. Da ist es wieder, das Wort. Weg vom Bequemen, hin zum Prüfstand. „Zufriedenheit ist der bizarre Ruf des Mittelmaß“ – besser hätte Steffen seinen Anspruch ans Leben beim gemeinsamen Frühstück nicht zitieren können. Also lernen, ausprobieren, hinfallen und wieder aufstehen. Themen suchen, Inspiration finden, Bilder gestalten, Bilder versauen, es noch einmal versuchen. Nicht, dass jetzt jeder eine Großformatkamera ins heimische Wohnzimmer holen muss, um die „alten Meister“ nachzustellen und so zu verstehen (wobei das natürlich weiterbringt!) – aber andere, neue, untypische Möglichkeiten mitzudenken, sein „retikuläres Aktivierungssystem“ immer wieder mal zu übertölpeln, pusht die Kreativität, schärft den Blick fürs Wesentliche. Nicht auf die Bank setzen, sondern auf den Boden. Nicht auf Karopapier schreiben, sondern Skizzen quer übers Blatt malen. Einfach mal einen Hasen in den Arm nehmen. Das fühlt sich lebendig an.

Am zweiten Tag, irgendwann gegen Mittag: wir setzen Licht, Octa von schräg oben, Spot auf den Hintergrund, Strip von schräg hinten. Immer wieder einstellen, messen, ausprobieren. Ähhh, künstliches Licht… so gar nicht meins… Blitz-Setups aufbauen war immer etwas, das ich nur gemacht habe, wenn es gar nicht anders ging. Hat mir einfach nie Spaß gemacht, ich fand es für meine Fotografie viel zu statisch und habe mich nach einem kurzen „OK, so funktionieren die Basics, gut, weiter will ich gar nicht denken.“ nicht weiter damit beschäftigt. Bis jetzt. Cool, denke ich, mehr davon. In der mittäglichen Kaffeepause sitzen wir draußen in der Sonne, reden und es bewegt sich ganz viel in mir. Ich sage zu Steffen „Du schaffst es, dass ich von mir selbst überrascht bin.“ und er schaut mich an, als hätte ich irgendwas ganz Elementares kapiert.

Der Nachmittag verfliegt. Ich habe eine Idee für ein Portrait, die mir seit gestern schon im Kopf herum schwirrt. Genau hinschauen, Menschen rückspiegeln, wo sie stehen, Augen, die Fotos machen und viel mehr sehen, als an der Oberfläche scheint. Schöne Idee, probieren wir aus. „Allerdings frage ich mich, wie du…“ – den (sehr berechtigten) Einwand von Steffen wische ich zur Seite. „Doch, das klappt, ich habe schon mal…“ – bis ich an meiner eigenen Idee gnadenlos scheitere. Es klappt eben nicht. Falsche Linse, schlichte Unmöglichkeit, in eine Nahaufnahme gleichzeitig deutliche Umgebungseindrücke zu integrieren. Himmel, was habe ich mir denn dabei gedacht? Zuviel gewollt, nichts gewonnen. Aber – das passiert mir nicht nochmal.Abschlussrunde abends, nach dem Essen. Wir sprechen noch einmal über das, was das Allerwichtigste ist in der Fotografie, Werte und Tiefe. „Ein charismatisches Portrait kann nur machen, wer selber Charisma hat.“ und „Am Ende ist nur wichtig, einmal mehr aufgestanden als hingefallen zu sein.“ In meinen Kopf rumort es, im Bauch, in Beinen und Armen. Da wird gerade etwas ganz tief eingepflanzt. „Liebe dein Leben.“ Und sag Ja. Zum Leben, zu Dir selbst. Dann kommt zur fotografischen Sprache aus Blende, Belichtungszeit, ISO auch die Poesie, das Gefühl dazu. Und dann entstehen Portraits, die nicht einfach in irgendeiner Schublade verstauben, sondern Menschen glücklich machen.

Danke, Steffen. Du hast so viel angestoßen. Ich bin gespannt, wo meine Reise hingeht. Und wie oft ich auf dem Weg auf die Nase fallen werde, mich Dinge nicht trauen werde und dann doch weiter mache.

Danke an Christina, Lena und Bertan. Ihr habt diese zwei Tage mit ganz viel Herzlichkeit gefüllt!

Danke an Ingo, Frank, Markus und Benjamin. Es hat Spaß gemacht mit Euch gemeinsam zu lernen, zu lachen, auszuprobieren, zu fragen, zu zweifeln und sich zu freuen.

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