tanja & stephan münnich » eure hochzeitsfotografen aus hohenlimburg

Mein Leben ist nicht unbedingt langweilig. Es ist voll, es ist meistens laut, ich bin eigentlich immer auf dem Sprung irgendwo hin. Es ist unglaublich schnell. Manchmal fließen die Tage ineinander, Freitags nachmittags wird mir bewusst, dass wieder eine Woche (beinahe) rum ist. Meine Kinder kommen zum Essen und Schlafen nach Hause (zumindest die Großen), ansonsten sind sie – genau wie ich – immer irgendwo. On the run. Ich mag dieses Leben. Ich mag das Chaos, ich mag das Unberechenbare, ich mag das Schnelle. Was ich nicht mag – wenn Momente so schnell verfliegen, dass ich mich frage, ob ich nur geträumt habe. Wahrscheinlich ist mir die Fotografie genau deshalb so wichtig. Ich kann Momente einfrieren, immer wieder anschauen. Durch das schnelle, verwischende Alltagsleben den Fokus wieder auf das richten, was zählt. Die Verbindung zwischen uns. Echtes, ungestelltes Leben.

Ende letzten Jahres war ich „leer fotografiert“. Ich hatte sehr, sehr viel fotografiert, viele wunderbare Menschen getroffen und für viele Familien Portraits geschaffen, die jetzt an Wänden hängen, auf Regalen und Schreibtischen stehen. Das macht mich glücklich und stolz. Aber ich hatte kaum noch Ideen, wie ich Familienportraits noch aufnehmen könnte. Park, Kornfeld, Wiese, Schloss, Burgruine – alles war dabei gewesen. Mehrfach. Wer unsere Bilder kennt, weiß, dass es auch bei diesen Portraitshootings immer Bildergeschichten gab, viele ungestellte, „unperfekte“ Bilder, nicht nur Hochglanz-Familienfotos. Trotzdem fehlte mir zunehmend etwas. Ich fühlte mich unkreativ. In dieser Stimmung begann ich zu Beginn des Jahres 2016 mein #366-Projekt. Bewusst ohne selbst auferlegte Regeln wollte ich einfach nur fotografieren. Ohne eigene Wertung, ohne Thema, ohne Schere im Kopf. Mein Leben, wie es sich mir durch die Linse darstellt. Mir war klar, dass es Tage geben würde, an denen mir nichts einfällt. Mir war klar, dass es ab und zu der schnelle Schnappschuss mit dem iPhone sein könnte. Und ich wollte mich überraschen lassen.

Zwei Monate sind herum. Ich fotografiere jeden Tag.Ich kann an meinen Bildern Stimmungen ablesen. Wer hat gesagt, dass Kinderbilder immer hell und fluffig sein müssen? Jedes dieser vier s/w-Bilder bringt mich sofort zurück in den Moment, ich höre die Stimmen der Kinder, ich erinnere mich an die Momente vorher und nachher.

Naturfotos sind einfach. Und am einfachsten sind Blätter, Blüten, hell und offenblendig, hübsch freigestellt. Das waren meine „mir fällt nichts ein“-Tage. Die Reflektion in der Pfütze, der Fluss im Morgendunst, die von innen vereiste Autoscheibe sind da schon die kreativere Variante. Auch zu diesen Bildern kann ich etwas erzählen. Beim Fluss denke ich an unsere Laufrunde, die Pfütze habe ich an meinem Geburtstag fotografiert und stand selbst im Wasser (in völlig unpassenden Schuhen), bis ich den richtigen Winkel hatte. Doch außer für mich erzählen diese Bilder nichts.Am meisten habe ich aber Alltagsgeschichten fotografiert. Bilder, die Geschichten erzählen. Bilder, die auch für Außenstehende „funktionieren“. Kleine Einblicke ins Familienleben, ein Blick durchs Schlüsselloch. Leben in all den kleinen Details. Die Details, die im Wirbel der Wochen und Monate so oft unter gehen…Ich mag Reportagefotografie. Ich liebe es, auf Hochzeiten und in Familien das festzuhalten, was da ist, was passiert. Geschichten erzählen. „Not just another pretty dress.“ lautet der Wahlspruch von Nordica Photography, einem Fotografen-Duo, das ich sehr mag. Die Bilder müssen nicht gestyled sein. Sie müssen nicht immer perfekt sein. Der Moment zählt. Auch und gerade in der Familienfotografie. Dazu gehört auch, dass Bilder schwarz-weiß sein dürfen und sollen, wenn es den Moment heraushebt. Dass sie allen Regeln der Fotografie widersprechen dürfen, solange sie mir etwas erzählen.

Raw. But real.Die ersten Wochen sind vorbei. Ich bin wacher, ich schaue genauer hin. Ich nehme mir die Freiheit zu sagen, „Das Bild gefällt mir. Egal, was jemand anderes sagt.“ 75 Bilder habe ich schon gemacht und eine Menge erkannt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. (t)

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